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Bear Season – Ein bisschen was zum Thema Bären

Wer an Kanada denkt, hat oft das Bild eines Bären vor Augen. Finden tut man sie tatsächlich gar nicht in so großen Mengen – außer im Liard River Hot Springs Provincal Park. Ich arbeite momentan wohl an der Stelle Kanadas mit den meisten Bären. Und noch dazu ist „bear season“. Das bedeutet die Bären kommen jetzt aus den Wäldern zu den Campingplätzen und ähnlichem. Da jetzt jeder das Bild von menschenfressenden Bären im Kopf hat: Im seltensten Fall frisst ein Bär einen Menschen und wirklich angegriffen wird man von ihnen eigentlich auch nicht. Sie kommen zu den Campingplätzen und auch anderen lichtere Stellen im Wald, weil da Beeren wachsen. Davon und von Fisch ernähren sie sich. Jetzt sieht der Bär in deinem Kopf doch schon viel freundlicher aus oder? Er pflückt einfach nur Beeren und will nicht mehr.
Um die Bären jetzt wieder in ein schlechtes Licht zu rücken: Genau hier sind zwei Leute 1997 durch einen Bärenangriff ums Leben gekommen.

Aber was für Bären laufen denn hier oben in den Rockys rum? Das ist echt schnell zu beantworten: zum größten Teil Schwarzbären aber auch einige Grizzlybären. Und wie viele etwa? Das weiß keiner so genau aber letztes Jahr mussten 5 Bären getötet werden – Und das ist hier die letzte Wahl. Zum Teil haben sich wohl 6 Bären gleichzeitig auf dem Campingplatz befunden. Meine Chancen einen Bären zusehen sind also recht hoch. Hoffentlich stehe ich ihm dann nicht gerade direkt gegenüber…
Aber auch dafür wurde mir aber einiges beigebracht und Ausrüstung gegeben. Ein Ranger hat uns erklärt wie man die Bärenart erkennt (Was gar nicht so einfach ist, weil Schwarzbären auch braun, weiß oder gar blau sein können.), ihr Verhalten in etwa deutet und sie vertreibt.
Ist ein Bär zum Beispiel sehr laut und bewegt sich viel, ist er eher defensiv und versucht nur dir Angst zu machen. In diesem Fall macht man einfach einen langsamen Rückzug. Wenn man gerade einen „bear banger“ dabei hat, kann man auch versuchen ihn zu vertreiben. Bärenspray sollte man hingegen eigentlich nicht verwenden, weil man nah an den Bären dran muss. Moment! Was ist ein „bear banger“? Eine Pistole (Bild oben) mit der man statt echten Patronen Feuerwerkskörper schießt, die extra laut sind. Ich durfte einen „bear banger“ benutzen und kann sagen das die Handhabung echt einfach ist. Einziges Problem: Bären können sich an die Feuerwerkskörper gewöhnen. Spätestens in dem Moment heißt es: Mach dich vom Acker! (Aber langsam) Und ruf die Ranger!
Das gilt bei einem sich leise auf dich zu bewegenden Bären sofort. Das Bärenspray muss hier vermutlich zum Einsatz kommen, weil Bären echt schnell sein können. Mit einer Ladung ins Gesicht, kann man den Bären kurzzeitig erblinden lassen und vor allem greift man seine Atemwege an. Der Haken an der Sache ist: Bärenspray ist konzentriertes Pfefferspray. Wenn man es selbst abbekommt ist das echt heftig. Wer jetzt sagt: Man muss ja auch blöd sein, wenn man es selbst abbekommt, der hat nicht bedacht, dass man in Panik ist und es zusätzlich noch Wind gibt. Wir durften auch mal Bärenspray ausprobieren und obwohl wir mit dem Wind gesprüht haben, sind alle anwesenden Leute nachher am Husten und am Weinen gewesen. Ich will niemals einen kompletten Sprühstoß abbekommen…

Wenn also der Ranger gerufen wird, bin ich als Park Operator weiterhin gefragt um Gebiete zu evakuieren oder mit auf Bärenjagd zu gehen. Erst mal ist das Ziel des Rangers dann dem Bären mit Gummigeschossen zu vertreiben. Funktioniert das nicht, muss der Bär getötet, oder wie man es hier nennt: „destroyed“, werden.

Um es also zusammenzufassen: Einem Bären werde ich vermutlich begegnen während ich hier arbeite. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dabei wirklich gefährdet bin, ist aber doch relativ gering.

Bären sind eigentlich kein Problem solange man sie nicht stört oder ihnen Nahrung gibt. Ein Bär, der gefüttert wird, gewöhnt sich an Menschen und wenn das der Fall ist, setzt er voraus, dass er gefüttert wird. Und wenn nicht dann…
Daher gibt es hier den Spruch: „A fed bear is a dead bear.“

Um jetzt kurz alle zu beruhigen, die sich Sorgen machen: Dieses Jahr sind wohl bisher fast keine Bären hier gewesen.

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